Steinmännchen-am-Strand

Strandsteine auf Usedom

Sandstrand, so weit das Auge reicht!

Wer an Usedoms Küsten unterwegs ist, tut dies vor allem am Sandstrand. Sand ist überall. Selbst mitten auf der Insel, weit entfernt vom Wasser, begegnet uns der Sand. An Steilabbrüchen oder manchmal auch in Form von regelrechten Sandstürmen über unbestellten Feldern. Kurz, Usedom ist eine Insel, die hauptsächlich aus Sand besteht.

Wie kommt der Sand auf die Insel?

Das Eis brachte die Steine
Das Eis brachte die Steine

Auf die Insel gekommen ist der Sand während der letzten Kaltzeiten. Oder anders formuliert: Das ganze Material, aus dem die Insel besteht, kam aus Skandinavien. Angeliefert unter anderem durch die Eismassen der letzten großen Kaltzeit, der Weichselkaltzeit. Diese erstreckte sich über einen Zeitraum von fast 120 000 Jahren.
Weil die Gletscher Sand und Steine vor sich herschoben, werden die Geröllmassen auch als Geschiebe bezeichnet.
Diese Geschiebe enthalten jedoch nicht nur Sand, sondern ein großes Sammelsurium unterschiedlichster Gesteine. Über diese, oder besser, über ein paar dieser Gesteine soll es hier gehen.

Welche Steine finden wir an Usedoms Stränden?

Strandsteine
Strandsteine

Wenn wir uns den Haufen an Steinen genauer ansehen, können wir eine Vielzahl unterschiedlich gefärbter und strukturierter Gesteine erkennen. Diese lassen sich grob in zwei Gruppen einordnen: In die kristallinen Gesteine und die Ablagerungsgesteine.

Kristalline Gesteine

Kristalline Gesteine heißen so, weil sie im Erdinnern kristallisiert sind. Die Kristalle sind Mineralien. Einen schönen Blick auf unterschiedlichen Mineralien und ihre Farbenpracht kann man hier bekommen.

Kristalline Gesteine lassen sich dann noch mal in Magmagestein, Umwandlungsgestein und Vulkangestein unterteilen. Magmagestein entsteht zum Beispiel wenn Magma in großer Tiefe langsam Erkalten, dabei kristallisieren Mineralien aus.
Ohne Mineralien würde hier auf der Erde nichts funktionieren. Weder in der Natur, wo Mineralien wichtiger Bestandteil von allem Leben sind, noch in den künstlichen Objekten unserer Zivilisation. Kein Halbleiter, kein Akku, kein Computer ohne Mineralien.

Woraus setzt sich so ein Stein zusammen?

Um mit einem klassischen „Rezept“ eines populären Ostseeküstensteins zu beginnen: Nimmt man die Mineralien Quarz, Feldspat und Glimmer und geht damit in die Mineralienküche tief in der Erde, mischt die Zutaten und lässt sie langsam abkühlen, kristallisiert Granit aus.

Granit

Granit, ein kristallines Gestein
Granit, ein kristallines Gestein

Allerdings ist die Zeit das Hauptproblem. Denn wer mal was richtig Altes in der Hand halten will, der ist bei Granit genau richtig. Meist sind sie hier älter als 1,4 Milliarden Jahre. Das liest sich so einfach. 1 400 000 000 Jahre. Es ist aber echt ne Ansage. Da will der Kopf nicht so recht verstehen was die Zahl meint. Aber es muss ein Qualitätsprodukt sein, der Granit, wenn er so lange hält. Viele der Findlinge, also der großen Gesteinsbrocken, die es überall auf der Insel gibt, sind aus Granit. Aber nicht alle. Einen guten Überblick über die verschiedenen Findlinge der Insel und ihrer Wanderwege gibt es im Gesteinsgarten Pudagla.

Gneis

Gneis, ein Umwandlungsgestein
Gneis, ein Umwandlungsgestein

Gneis ist ein Umwandlungsgestein. Das bedeutet, bereits vorhandene Gesteine wie z.B. Granit wurden nochmals durch die Bewegungen der Kontinentalplatten in die Tiefen der Erdkruste gedrückt. Dabei schmolzen die Gesteine unter riesigen Drücken und Temperaturen wieder auf. Die gleichmäßig kristalline Struktur, wie sie beim Granit gut zu sehen ist, ging verloren, und ähnlich wie im Marmorkuchen bekam der Stein seine besondere Struktur.
Gneis ist, um es verkürzt darzustellen, nochmal heiß gemachter Granit.

Porphyr

Spröde, aber sehr hübsch, der Porphyr
Spröde, aber sehr hübsch, der Porphyr

Sehr hübsches Gestein. Es ist entstanden beim schnellen Erstarren von kristallhaltigem Magmagestein an der Erdoberfläche. Das besondere an Porphyr ist, dass viele grobe Kristalle in sehr feiner Trägersubstanz eingebettet liegen. Ein bisschen wie bei Blutwurst. Die vielen kleinen Einschlüsse in dem Stein sind meistens Quarze oder Feldspat. Allerdings können diese ebenso variieren wie die Farbe des Grundgesteins. Eine Art Patch-Work Stein sozusagen.

Quarzsand

Treibholz und Strandsand
Treibholz und Strandsand

Der populärste Stein am Ostseestrand ist sicher der Quarz. Schön feinkörnig und weiß bedeckt er die meisten Sandstrände um den Greifswalder Bodden. Ob auf Rügen oder auf Usedom, Quarzsand gibt es überall. Entstanden ist dieser Quarzsand aus verwittertem Gestein. Quarz ist extrem hart und eines der häufigsten Minerale auf der Erdoberfläche.
Zahlreich wie Sand am Strand ist der Sand allerdings nicht mehr. Durch den Bauboom und die stetig wachsende weltweite Nachfrage ist Sand inzwischen ein knapper Rohstoff geworden.
Daneben besteht der Ostseesand aber nicht nur aus Quarz sondern auch noch aus zerriebenen Muschelschalen und kleinen Plastikteilchen sowie anderen kleinen Partikeln. Vor allem der Plastikmüll in den Ozeanen ist ein weltweites Problem. Das Plastik wird durch Sonnenlicht und Wellenbewegung immer kleiner zermahlen und wird dann von allen möglichen maritimen Lebewesen aufgenommen. Die Schadstoffe reichern sich dann entlang der Nahrungskette an. Wer am Ende der Nahrungskette steht bekommt am meisten davon ab. Auch landet ein Teil des Plastiks wieder an unseren Küsten als Teil des Strandsandes.

Ablagerungsgesteine

Die zweite große Gruppe der Gesteine machen die Ablagerungsgesteine aus. Ablagerungsgesteine kommen, wie der Name schon sagt, aus Ablagerungen. Irgendwas hat sich irgendwann abgelagert. Meistens finden diese Ablagerungsprozesse durch den maritimen Schnee statt, winzige Partikel, die wie Schnee langsam durch die Ozeane nach unten rieseln. Über einen sehr langen Zeitraum lagern sich so Schichten davon am Meeresboden ab.

Sandstein

Sandstein, auch gut zum Messerschärfen
Sandstein, auch gut zum Messerschärfen

Sandsteine bestehen aus ganz kleinen, fast farblosen Quarzkörnchen. Diese wurden verkittet durch Material das zwischen den winzigen Quarzkörnchen auskristallisiert ist. Je nach dem, welcher Stoff daran beteiligt ist, haben die Sandsteine danach unterschiedliche Farben.
Wer unterwegs am Strand mal einen Schleifstein braucht- weil das Taschenmesser nicht mal mehr Brot schneiden will- kann sich auch mit einem Sandstein behelfen. Damit wird das Messer recht fix wieder scharf.

Feuerstein

Eine Feuersteinknolle
Eine Feuersteinknolle

Feuersteine haben ihren Namen tatsächlich davon, dass man mit ihnen Feuer machen kann. Entweder, indem man den Feuerstein an einen Pyrit (Katzengold) schlägt, oder, wie es bis zur Erfindung der Streichhölzer praktiziert wurde, indem man mit Hilfe des Feuersteins von einem Stahl Funken abschlägt und diese in einem Zunderschwamm „fängt“ und vorsichtig zu loderndem Feuer anbläst.
Entstanden ist der Feuerstein am Meeresboden. Kieselsäure ist vermutlich in Hohlräume des weichen Meeresbodens geflossen und hat so die charakteristischen Feuersteinknollen gebildet. Diese sehen oft aus als wären sie gegossen worden.
Und nicht zu vergessen: Aus Feuersteinen wurden in der Steinzeit rasiermesserscharfe Werkzeuge wie Pfeilspitzen und Messer hergestellt.

Findet man übrigens Feuersteine mit Loch in der Mitte, sogenannte Hühnergötter, unbedingt behalten! Die sollen Glück bringen. Jedenfalls vermutete man das früher, und hängte diese auch mit Vorliebe in den Hühnerstall, um die Hühner zum Eierlegen anzuregen. Ob das tatsächlich funktionierte -wer weiß das schon?

Kalkstein

Kalkstein mit Fossil
Kalkstein mit Fossil

Auch Kalksteine sind Sedimentgesteine. Sie sind aus winzig kleinen Kalkteilchen entstanden, die auf den Meeresboden gefallen sind und sich über die Jahrtausende zu einer Schlammschicht verbunden haben. Wenn in dieser weichen Schlammschicht Lebewesen eingeschlossen wurden, können wir sie heute als Fossilien gut erkennen.

Versteinerungen

Versteinerungen gibt es an der Ostseeküste in allerlei Formen. Die Versteinerung im oben abgebildeten Kalkstein ist wahrscheinlich ein Trilobit und dann wäre er mindestens 250 Millionen Jahre ist.

Wer gezielt nach welchen fahnden möchte, der sollte sich Strandabschnitte suchen mit viel Geröll. Dann finden sich dort auch Belemniten, sogenannte Donnerkeile, jene seltsam anmutenden steinernen Spitzen, von denen früher die Leute dachten, es seien die Spitzen der Blitze, die der Gott Donar auf die Welt schleuderte. Daher der Name Donar- Keile, aus dem sich irgendwann der Begriff Donnerkeil entwickelte. In Wirklichkeit sind es aber versteinerte Teile des Rostrums uralter Tintenfische, sogenannte Belemniten. Der Donnerkeil ist in etwa das, was man heute als Schulp des Tintenfischs bezeichnen würde. Sie lebten in enormer Anzahl im Wasser des Kreidemeeres. Daher finden sich auf Rügen in der Nähe der Kreideküste auch besonders viel von den versteinerten Urzeitviechern.

Wer mehr sehen möchte kann sich hier eine von arte ausgestrahlte Dokumentation über Minerale und ihren Anteil an der Entstehung des Lebens auf der Erde anschauen.

 

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